Hygiene in Arzt- und Krankenhausserien. Leitfaden für die Praxis oder Zerstreuung für das Abendprogramm? – Tim Lieske

Die Häufung von Hygiene-Skandalen in Deutschland, die in Zusammenhang mit multiresistenten Erregern und Krankenhausinfektionen (nosokomialen Infektionen) stehen, fordert eine forcierte Aufklärung nicht nur der Gesellschaft im Allgemeinen, sondern besonders der Akteure im Gesundheitswesen. In amerikanischen (wie auch in deutschen) Arzt- und Krankenhausserien wird immer mehr auf eine authentische Darstellung medizinischer Fakten und Prozeduren geachtet. Die Produzenten und Regisseure greifen dafür auf Beratungsfirmen zurück, die sich darauf spezialisiert haben, medizinisches Expertenwissen in TV- und Kinoformate zu übertragen. Der Mediziner Tim Lieske untersucht vor diesem Hintergrund ausgewählte TV-Serien auf ihre Tauglichkeit als Schulungsmaterial für angehende Mediziner, Pfleger oder die interessierte Öffentlichkeit. Nach einem Streifzug durch die Behandlung des Themas „Hygiene“ in der Film- und Fernsehgeschichte wird die Frage erörtert: lassen sich gezielt Szenen etwa aus den amerikanischen Serien „Scrubs“ oder „Grey’s Anatomy“, die beide auch in Deutschland sehr hohe Einschaltquoten erzielen, auswählen, die hygienerelevante Prozesse exakt genug darstellen, um als vorbildlich gelten zu können? Nach einer zufälligen Auswahl von je zehn Folgen der jeweiligen Serie werden, bei Anwendung deutscher Hygienestandards, die Bereiche Klinikalltag, OP (Chirurgie) und Haustechnik auf die korrekte Umsetzung hygienerelevanter Prozesse untersucht. Dabei wird nicht nur das Verhalten der Ärzte und Pflegenden in den Fokus der Untersuchung gerückt, das von der korrekten Händedesinfektion bis hin zu Kleidungsanlage und dem Ablegen von Schmuck kontrolliert wird, sondern auch das ebenso hygienerelevante Verhalten der Patienten und deren Angehöriger, die durch den häufig sehr engen Kontakt zu ihnen einen besonderen Faktor hygienischer Risiken im Klinikalltag darstellen. Ein eigens erarbeiteter Kontrollbogen soll genau so die Häufigkeit korrekt angewandter Hygieneprozeduren wie auch ihre falsche Anwendung oder Unterlassung in den jeweiligen Serien herauskristallisieren. So lassen sich nicht nur beispielhafte Szenen für die Schulung auswählen, sondern auch solche, an denen sich im Klinikalltag oft verheerend wirkende Fehler bei der Hygiene vorführen lassen.

Arzt- und Krankenhausserien eignen sich vor Allem aufgrund ihrer hohen Popularität und breiten Rezeption zur Sensibilisierung auch breiter Bevölkerungsschichten für Hygienefragen. Das Identifikationspotential der Protagonisten dieser Serien ist sehr hoch und kann somit eine zusätzliche emotionale Triebfeder für die Hygieneaufklärung darstellen.

Der Volltext zu dieser Zusammenfassung findet sich in:                                                                                                          Ingensiep, H.W. / Popp, W. (Hrsg.): Hygiene-Aufklärung im Spannungsfeld zwischen Medizin und Gesellschaft. München/Freiburg: Alber-Verlag 2016.

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